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April: Über Gärten und Schutzwälle …

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Die Vorfahren unseres Gartens dienten dem Zusammenleben und Schutz. In den Götter- und Heldenliedern der Edda finden wir Menschen- und Göttergärten: den Mittelgarten (altnordisch: Miðgarðr), die Welt der Menschen (und Götter auf Durchreise), sowie Asgard (altnordisch: Ásgarðr), die Heimat von Odin, Frigg, Thor … in den späteren Geschichten mit einer riesengefertigten, fetten Mauer umgeben (was spannend ist, sollte die Mauer doch in erster Linie vor eben diesen Riesen schützen … eine homöopathische Mauer also …).

 

Interessanterweise kann das altnordische Garðr sowohl einen Hof wie auch einen (Schutz)Wall umfassen.

Ein Garten zeigt eine Umgrenzung, bedeutete eine Einfriedung, mit Hilfe derer Menschen und Götter sich vom bedrohlichen „Außengarten“ (altnordisch: Útgarðr) zu schützen gedachten. Denn in diesem Außerhalb lauerten neben wilden Tieren und vagabundierenden Neidingen (Vertriebenen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossenen), die schwer bis nicht kontrollierbaren, riesischen Kräfte, denen „man“ nicht über den Weg trauen konnte: die wütenden Feuer- und Sturmriesen etwa oder die frostigen Eisriesen, mit denen so gar nicht gut Kirschen essen war.

Im Schutz des Zaunes, des Walls, der Mauern … galt Friedrecht. Die Waffen (sollten) ruhen, es durfte nicht gekämpft werden. Wurde dies nicht beachtet und die Grenzen verletzt, war dies eine Kampfansage und berechtigte zu entsprechenden „regulativen Maßnahmen“ seitens des/r Garten-Bosses/Bossin.

 

Na, mit einem Blick auf das Hier und Heute, Jägerzäune, Nachbarschaftsdramaturgien & Co sollte da das ein oder andere mitgardische Lichtlein aufgehen …?

 

Auch wenn in den letzten Jahrhunderten schon viele Mauern und Gärten im Zeitgeist zerbröselt sind, ist die geistige Haltung und Akribie, mit der nicht wenige Zeitgenossen ihre Gärten (und deren Grenzen!) als Herrschaftsbereiche definieren und „untermauern“ nach wie vor präsent … .

 

Du hast von diesen Nachbarschaftsdingern gehört, kennst auch den ein oder anderen Live-Krimi dazu … hast aber selbst gar keinen Garten und fragst dich, was das alles mit dir zu tun hat?

 

Auch ohne einen eigenen Garten: Das Midgard-Gen, das dir suggeriert der Nabel und Herr/in "deiner Welt(en)" zu sein, hockt trotzdem in deinen Knochen. Jede Wette! Es tritt in Aktion, wenn deine Freundin/dein Freund in deinem Territorium das erste Mal und ganz unverblümt ihre/seine Zahnbürste neben deine eigene stellt, wenn du im Urlaub frühmorgens am Strand „dein Handtuch“ platzierst oder in der Diskussion mit diesen dumpfen, unwissenden Nerds austickst, wenn sie es wagen, sich in „dein akademisches Territorium“ vorzuwagen …

 

Die Wurzel für all dies ist die tief sitzende Angst vor dem Unbekannten. Vor einem chaotischen, sich deiner bewussten Kontrolle entziehenden Útgarðr: Einer in ein "praktisches Außerhalb" (= möglichst weit weg von dir und deinem Zuständigkeitsbereich) verorteten Gefahr. 

Einem numinosen Feind und potentiellen Konkurrenten, der/die dir deine Existenzgrundlage streitig machen könnte … deinen Besitz, deinen Raum, deine Macht, deine Freunde, deine Liebe … deine Luft zum Atmen.

 

Die Jetzt-Zeit, die aufgrund ihrer politischen und menschlichen Herausforderungen ohne Skrupel und Rücksichtnahme frontal auf Midgard-Gene und territoriale Urängste prallt, weckt die alte Sehnsucht nach Sicherheit, Geborgenheit und Schutz. Sie weckt damit auch den uralten Trieb nach Abgrenzung, den Bau von Schutzwällen, das Sortieren „in Freund und Feind“.

 

Um so wichtiger ist es, etwaige innere und äußere Aufrüstungstendenzen, verstärkte Verteidigungsmaßnahmen, das Errichten neuer Zäune und Mauern wachsam und achtsam zu beobachten, reflektieren und mutig zu hinterfragen.

 

Bevor aus dem eigenen Garten ein Gefängnis wird.

 

 

 

© Ann-Uta Beißwenger 2017

 

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