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Die (Ohn)Macht des Vielleicht …

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So ein „Vielleicht“ ist ein dramaturgischer Kunstgriff: Indem du etwas damit garnierst, verschaffst du dir eine Parkbucht, hältst dir Entscheidung und Positionierung vom Leib. Das kann ab und an sehr wichtig sein, damit du dir die Möglichkeit öffnest, noch einmal über „die Dinge“ zu reflektieren, bevor du einen Standpunkt beziehst.

 

Jedoch weht der aktuelle Zeit-Geist so, dass immer mehr Zeitgenossen in ihrem Vielleicht steckenbleiben … in gewisser Weise auch süchtig danach werden:

Möglichst viel aus dem Leben rausholen und dies möglichst leicht – ohne Hindernisse oder großartige Schwierigkeiten meistern zu müssen.

 

Ein Dauerparkschein im Vielleicht eröffnet dir unendliche Möglichkeiten und Freiräume. So lange du dich nicht entscheidest für oder gegen etwas, bewegst du dich in einem neutralen, diplomatischen Raum und hältst dir alle Optionen gleichermaßen offen.

Ist das so?

 

Manchmal ja, manchmal nein.

Globalisierung und Medienentwicklung bescheren uns nahezu unbegrenzte Wahlmöglichkeiten – egal, ob du ein neues Kleidungsstück, ein neues Kreditinstitut oder eine/n neue/n Partner/in suchst. Es gibt so viele Angebote, dass es ganz schön schwierig sein kann, die berühmte Nadel im virtuellen und globalisierten Heuhaufen zu finden.

Und auch wenn du dich irgendwann entschieden hast für eine neue Hose, eine neue Bank, einen neuen Menschen in deinem Leben … wer garantiert dir, dass du nicht beim nächsten Besuch bei Dr. Google, bei Prime-Quelle-Amazon, bei einem Streifzug durch die Sumpflandschaften von Gesichtsbuch, Zwitscher & Co noch was Besseres, Attraktiveres und vor allem Günstigeres findest?

Niemand!

 

So hockst du dann da mit deiner Hose, der Bank, diesem neuen Menschen in deinem Leben und du fragst dich, ob deine Wahl wirklich richtig und weise war. Wahrscheinlich geht deine Suche mehr oder weniger beiläufig und underground weiter … stell' dir vor, was du alles verpassen könntest, wenn du dich jetzt tatsächlich zufrieden gäbst … das geht gar nicht, oder?

 

Viel einfacher scheint es da doch, erstmal im Vielleicht zu verharren: Abwarten und weiter googeln. Abwarten und weiter vielleichten, wenn es ums und ins nächste Date geht. Sich fünf Hosen zur Auswahl schicken lassen. Alle fünf später kostenfrei zurückschicken. Diesen Vielleicht-Raum richtig auskosten und zelebrieren.

 

Na, und … warum nicht?

 

Die Aufrechterhaltung des Vielleichts, vor allem ganzer Vielleicht-Anhäufungen schafft jede Menge Unruhe und Rastlosigkeit in deinem Leben: Du musst ständig hin und her hüpfen und an verschiedenen Stellen mehr oder weniger regelmäßig deine Vielleichts sezernieren. Um Zeit zu schinden. Um die ganzen glühenden Kohlen im Feuer zu halten. Um deine Mitwelt nicht zu verprellen … enttäuschen …

Damit der Vielleicht-Raum nicht schrumpft, kollabiert … und in potentielle Versäumnisse … oder noch ärger, gar in Verbindlichkeiten einmündet.

 

Mit einem (oder vielen) Vielleicht(s) kannst du in Beziehungsgeflechten wunderbar deine Macht demonstrieren: Du bindest den anderen im Vielleicht-Nebel und lässt ihn zappeln. Dabei übersiehst du, dass dies Abhängigkeiten und damit Verstrickungen schafft: Indem du dich nicht klar positionierst, hältst du dir entsprechende Hintertürchen offen, und diese Türen hältst du mit deinen eigenen zwei Händen fest. Du bist also im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön eingespannt!

So lange du dich gegenüber deinem Partner nicht klar äußerst, ob du die Beziehungskiste noch weiter fortsetzen möchtest oder nicht, zwischen „vielleicht ja-vielleicht nein“ hin und her eierst, bleiben du und dein Partner aneinander gebunden. Dies kostet Kraft, Lebenszeit und macht verdammt unfrei!

 

Ein Vielleicht, an den Wegkreuzungen deines Lebens platziert und gestapelt, schafft eine ambivalente Räumlichkeit: Oberflächlich betrachtet, riecht es nach Freiheit und Unverbindlichkeit. Unten drunter jedoch tickt die Uhr, deine Lebenszeit läuft dir davon mitsamt der Gelegenheiten, die dir bereits entfleucht, die ihre eigenen Wege gegangen sind, weil du zu lange gezögert, zu viel Zeit in der Vielleicht-Parkbucht verbracht hast.

 

Mit dem Vielleicht ist häufig auch ein gewisser Anspruch verbunden:

Wenn du dich schon herablässt, dich auf einen Menschen/einen Job/einen Wohnort einzulassen, dann muss dieser perfekt sein. Er/sie/es muss deinen persönlichen Vorstellungen von perfekt genügen.

Und das ist tatsächlich schwierig bis unmöglich. Insbesondere in der so genannten Kriegsenkelgeneration, die mit der Muttermilch das „Du schaffst alles, wenn du dich nur anstrengst“ mitbekommen hat, ist die tiefe Überzeugung unterwegs, dass dir alle Wege offen stehen und du dein Leben gestalten kannst, wie du das für richtig hältst. Abschnittsweise mag das auch so sein. Jedoch können die wenigsten damit umgehen. Denn das eigene Leben in die Hände zu nehmen, bedeutet gleichzeitig auch Eigenverantwortung für alles was du denkst, fühlst und tust zu übernehmen.

Dies fordert und überfordert – nicht nur Menschen der Kriegsenkelgeneration, sondern auch deren Sprösslinge: Man/frau verheddert sich in der Hyperoptionalität und verklebt im Vielleicht.

Das Vielleicht dient dann als potentes Versteck und Obdachlosenasyl, wenn du ansonsten in der Welt der Möglichkeiten kein Zuhause finden kannst: Du hast dein Zelt im Vielleicht aufgeschlagen.

 

Es gibt jene Menschen, die sammeln nicht nur Vielleichts, sondern haben die ganze Vielleicht-Familie im Abo: Irgendwie, quasi, eventuell, möglicherweise, „mal sehen“ oder die süddeutsche Variante „Schau'n wir moahl“ …

Kein (Ab)Satz in ihrer Kommunikation, innerlich wie äußerlich, der nicht ein direktes Vielleicht oder dessen Ableger beinhaltet.

Du kennst „solche Leute“? ... Du gehörst selbst dazu?

 

Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern ist christlich-traditionell Fastenzeit.

Tu' dir und deinem Leben einen Gefallen und achte die nächsten Tage und Wochen mal darauf, wie häufig du ein Vielleicht und dessen Sippschaft in deinem Denken und in deiner Kommunikation mit dem Außen einsetzt. Die gute alte Strichliste kann hier helfen … Finde heraus, in welchen Situationen du das Vielleicht & Co bemühst … und vor allem, warum du das tust, wem oder was du damit aus dem Wege gehst … "vielleicht" kannst du dich auch zu einer Vielleicht-(Null)-Diät motivieren ... 

 

Text und Foto © Ann-Uta Beißwenger 2017, Foto Künstlernekropole Habichtswald bei Kassel

 

 

Die Zeilen haben dir gefallen, haben dich inspiriert – du möchtest mehr davon?

 

Ich freue mich über einen energetischen Ausgleich - X Gebo X ... Geben und Nehmen ... Vielen Dank!

 

 

 

 

Neugierig geworden? Hier geht's zu meinen  Veranstaltungen für 2017

 

Über den Buchhandel und online erhältlich, mein Buch (in Print- und Ebook-Version):

 

Wortgemälde für den Weg

Eine Liebeserklärung an das Leben, den Tod und das Dazwischen

Lyrik - Kurzprosa - Fragmente

ISBN: 978-3-7412-7390-2

TB, 264 Seiten

 

 

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