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herzlich willkommen in meinem Blog! Welcome to my blog!
 
Mein Name ist AnU.
In meinem Blog könnt ihr meinen Werde-Gang vom kreativen Freestyle-Nerd zur (hoffentlich) professionellen Audio- und Musikproduzentin verfolgen.
Aktuell studiere ich an der Deutschen Pop, um meiner Kreativität ein technisch-professionelles Fundament "zu verpassen"  ...
 
My name is AnU.
I am a creative nerd on her stubborn and dedicated path towards professionalization in the limitless wonderland of sounds and words.
For this end (and some others) I am studying professional audio-production and music-design at Deutsche Pop.
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Fragmentary: Über den subjektiven Geschmack von Sprache ...

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Sprachen helfen uns, mehr oder weniger effektiv miteinander zu kommunizieren. Zumindest vermitteln sie diese Illusion auf der Grundlage ihrer etablierten Regeln und Konventionen. Doch … in den alltäglichen Gebrauch einer Sprache mischen sich vielerlei Zutaten unterschiedlicher Herkunft. Sie alle münden ein, in einen riesigen, blubbernden Eintopf und produzieren einen supp-jektiven Geschmack, welcher charakteristische Spuren auf der jeweiligen Zunge hinterlässt …

 

Deutsch ist meine Muttersprache, da lässt sich nix dran drehen und wenden. Neunzig Prozent aller Erziehungs- und Norm(alis)ierungsversuche seitens Erziehungsberechtigter, Schulen, gesellschaftlicher Konventionen und Vorgaben, Medien … wurden mir mittels deutscher Sprache eingeflösst. Kein Wunder, dass dies Spuren hinterlassen hat!

Mir fiel schon sehr früh in meiner Kreativkarriere auf, dass ich Schwierigkeiten habe, einen Song auf Deutsch zu schreiben. Nicht nur wegen dem „harten Klang“. Was da mitklang und -schwang, war weniger die phonetische Härte, sondern eher der Geschmack von vertrockneten kaiserlichen Zwirbelbärten, rostigen Regimentsschwertern und chronischem Führerfimmel. Diese Haltung, wenn ich nur brav und still (= feige und bequem) bin ...  der Kaiser/die Politik/der Führer wird's schon "richten". 

Ein metallischer Geschmack von Enge und Hörigkeit, der sich jedem kreativen Ausbruchsversuch widersetzte.

 

Ich versuchte bunte Blumen, vor allem philosophisch-poetische, darüber zu legen, um den Geschmack aufzuhübschen, ihm eine leichtere (und möglichst flüchtige) Note zu verleihen. Doch es gelang mir nur partiell.

Um meine Geschmackssinne etwas abzulenken, musste ich zeitgeschichtlich sehr weit zurückgehen. Der Spur meiner skandinavischen Gene folgen bis zu den altnordischen Sprachrezepten. Erst danach war es mir möglich, in meiner Muttersprache etwas historisch ausgewogener zu köcheln und backen.

 

Aber nur etwas … der metallische Hang und Anklang ist geblieben. Die Schwerter klirren nach wie vor – allerdings jetzt mehr retromäßig Wikinger-verklärt. Die preußischblaue Farbe und deren braune Übertünchung ist abgeblättert.

Damit ist das Geschmackserlebnis erstmal subjektiv akzeptabler geworden. Für den Moment.

 

Die deutsche Sprache ist aufgrund ihrer Schärfe hervorragend für das Format der Satire geeignet. Denn ihre raue Schönheit und Lebendigkeit lauert in bösspielerischen Pfefferkörnern, die darauf warten, dass der Hörer/Leser darauf beisst. Danach erst entfaltet sich nach einer gewissen Latenzzeit das Aroma ihrer Vielschichtigkeit, ihrer Tiefe und ja, tatsächlich auch eine feine Note (schwarzen) Humors.

Viele meiner deutschen Texte sind ein Dokument der Abrechnung mit altem, in einer Art Schockstarre konserviertem Groll. Ein Zeugnis des nicht einverstanden gewesen seins, mit der Welt, mit mir selbst, das zu seiner jeweiligen Zeit keinen Ausdruck finden konnte. Sie wollen ein Denk-mal sein, vielleicht auch ein Mahnmal, ein Weckruf. Schwarz-rot-goldene Illusionen entkernen und zu einem geschmeidigen Smoothie, ähem, Kaltgetränk verarbeiten.

 

Der Geschmack der englischen Sprache ist voller androgyner Wälder und funkelnder Sterne. Sie duftet nach Freiheit und globalen Möglichkeiten. Auch sie trägt eine schwertene Schwere in sich. Jedoch wird diese von den vanillig-exotischen Gewürzcocktails, die sie auf ihren Wegen durch die ganze Welt gesammelt hat, sanft umspielt.

Die englische Sprache, ich erkor' sie zu meiner Sehnsuchtssprache, zu meiner Zuflucht. In so manchen deutschdunklen Stunden hat sie mir Schutz, Heilung und Inspiration in ihren unergründlichen Wäldern geschenkt.

 

Die ungarische Sprache schmeckt melancholisch-bitter, ein bisschen wie Absinth im Abgang. Sie klingt wie ein Requiem, das in seiner orchestralen Tiefe, den leisen Hoffnungsschimmer, die Sehnsucht nach dem Leben, virtuos umfangen hält.

Diese findet ihren Widerhall in den überschwänglich geschmückten, barocken Konzertsälen und alten Kirchen, die mich in meiner Zeit in Budapest so manche Male von den deprimierenden Ausdünstungen der Sezier- und Hörsäle kurierten.

 

Die vielleicht schönste und feinkörnigste Sprache jedoch, die ich bisher kennenlernen durfte, ist das Sanskrit, die heilige Urmutter aller indogermanischen Sprachkinder.

Es schmeckt nach feurigem Getreideopfer, nach kristallklarer Tempelluft. Sanskrit ist ein goldener Schlüssel, verziert mit zarten Silberglöckchen, die auf ihrem Klangteppich in die tiefsten Tiefen und höchsten Höhen der sprachlich-philosophischen Ausdrucksmöglichkeiten tragen.

Ich könnte Stunden, Tage, Wochen in einem Sanskrit-Text verbringen, sehe mich jedoch demütig außerstande, die Inhalte perfektionistisch-adäquat in eine andere Sprache zu übersetzen.

 

Je mehr Zeit und Geschichte wir mit und in einer Sprache geteilt haben, um so subjektiver, das heißt individuell emotionsgeladener und damit gebundener sind unsere Einsatzmöglichkeiten in dieser Sprache.

Unsere jeweiligen Biographien bilden dabei die Grundlage für die Geschmacksbildung. Sie überdecken die kollektiv-historischen Geschmackslandschaften einer Sprache. Ziemlich unselten harmonieren dabei jedoch biographische und kollektive Geschmacksnoten auf wundersame Weise und intensivieren das Geschmackserleben, zementieren es. Sprachliche Eleganz und Beweglichkeit bleiben auf der Strecke ... 

 

Je weniger Zeit und Geschichte wir mit und in einer Sprache geteilt haben, um so unvoreingenommener, kreativer und spielerischer können wir uns ihr nähern.

Aus der relativen Distanz wird es möglich, den Geschmack der Sprache selbst aufzuspüren. Wir gewinnen Zeit und Raum, um uns selbst in unserem Verhältnis zu der jeweiligen Sprache zu verorten, ohne biographischen Ballast. So können wir mit den Geschichten, die sie uns erzählt, unbeschwert Kontakt aufnehmen und mit ihrer Hilfe so manche unserer Wunden heilen.

 

Doch irgendwann – nach vielleicht vielen Jahren Sprachumtriebigkeit ist es an der Zeit, in die sprachliche Heimat zurückzukehren und Frieden zu schließen … mit den klirrenden Schwertern … kollektiv und vor allem auch individuell.

Um dann, mit leichterem Rucksack und hoffentlich geläuterten Geschmacksorganen, die globalen Sprachreisen kulinarisch fortzusetzen ... 

 

© Ann-Uta Beißwenger 2018

 

 

 

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