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Fragmentary: Über Menschen & Orte ...

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Raum als physikalische Größe existiert über-all: Im Universum genau so wie in der Konservendose (1). Ein Ort hingegen entsteht erst durch Abgrenzung und Erfahrung im Raum. In dem wir Örtlichkeiten voneinander unterscheiden, sie „dingfest“ machen, sie verorten in eine Kategorie. Zu einer Ortschaft zum Beispiel. Oder zu einem Kraft-Ort. Oder zu einem „stillen Örtchen“.

 

Über die Jahre und Jahrhunderte weben Mensch und Ort gemeinsam ein Netz der Verbundenheit und Zugehörigkeit über die miteinander geteilten Erfahrungen. Mensch und Ort schreiben gemeinsam Geschichte – festgehalten in Überlieferungen, Sagen und manchmal auch in reißerischen Schlagzeilen. Ver-sinn-bild-licht und verewigt in den verschiedenen Spielarten der Kunst. Widergespiegelt und veranschaulicht durch die den Ort zusammensetzenden Komponenten: Menschen, Bäume und andere Pflanzen, Tiere, Steine, , Hügel, Täler, das Zusammenspiel der fünf Elemente, Witterungsbedingungen, Gebäude, Straßen, Industrie .... Sie alle erzählen und zeugen von der Geschichte des Ortes, machen ihn zu einem lebendigen Organismus ...

 

Die wirkliche Natur eines Ortes erschließt sich nur dem offenen Betrachter. Demjenigen, der bereit ist, mit dem Wesen des Ortes in Wechselwirkung zu treten. Die bereit ist, dem Ort zuzuhören. Den Ort in seiner Vielschichtigkeit auf sich wirken zu lassen.

 

Ansonsten verbauen wir uns bereits im Vorfeld den Zugang. In dem wir dem Ort unsere subjektive Meinung aufpfropfen: „Das ist aber ein hässlicher/schöner/gruseliger ... Ort!“

Oder wir benutzen den Ort, um unsere Wahrnehmung über die Welt zu untermauern. Zum Beispiel sind wir traurig, weil uns am Vortag jemand versetzt hat, gehen mit unserer Traurigkeitswolke in den Park und nehmen in der Folge den ganzen Park als traurig wahr. Wir benutzen den Park, um unsere Traurigkeit zu intensivieren, zu boosten, damit wir uns in eben dieser Traurigkeit suhlend lebendig und verstanden fühlen können.

 

Ein Ort entsteht und verändert sich durch Erfahrung – durch Geschehnisse, die in seinem Einzugsbereich stattfinden.

Wenn wir unsere Traurigkeit regelmäßig im Park spazieren führen, wird dies auch das und die Wesen des Parks mittelfristig be-eindrucken. Wir hinterlassen Spuren im Geflecht des Ortes. Unsere Fährten, die wir dort ausgelegt haben wiederum, verschicken Einladungen und locken solche Erfahrungen in den Park, die mit unserem Abdruck in Resonanz gehen.

 

Orte mit häufigem Unfallgeschehen sind ein anschauliches Beispiel dafür: Oft gibt es keine sichtbaren Begründungen für die wiederholten, an diesem speziellen Ort passierenden Unfälle. Dennoch geschehen sie in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen.

Ein verfluchter Ort?

Vielleicht einfach einer, der seine Ortsidentität und Lebendigkeit eng mit Unfallereignissen verknüpft hat. Die Unfälle sind zu seiner Gewohnheitsstruktur, zu seiner eigenen Identität, geworden. Sie dienen ihm als "Energiequelle" und sichern seine Lebendigkeit.

 

Orte leben. Orte stagnieren, halten fest und manchmal entwickeln sie sich auch weiter, verändern sich. Genau wie Menschen.

 

Kennen Sie das ... Sie kommen nach einiger Zeit an einen Ihnen bekannten Ort und spüren, dass dieser irgendwie anders ist. Die Häuser, die Bäume, die Straße – alles ist nach wie vor äußerlich „gleich“ – jedoch wirkt das Gesamtarrangement heute auf Sie ganz anders als zuvor. Neben aktuellem Wetter, Befindlichkeiten & Co, kann dies im Wesentlichen drei Gründe haben:

 

1. Sie haben sich verändert.

2. Der Ort hat sich verändert.

3. Sie beide haben sich verändert.

 

Ein Ort ist ein lebensweltliches Phänomen. Wo Leben ist, ist Veränderung. Veränderung ist nicht immer für Jede/n konkret wahrnehmbar und/oder benennbar. Sie folgt unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten und Sichtbarkeiten.

Nahezu jede/r kann sehen, wenn ein Haus abgerissen und die große Esche gefällt wurde.

 

Aber nehmen wir auch wahr, wenn der Ort aufgrund der vielen Besucher erschöpft ist? Nehmen wir wahr, dass die eigentlich gesunden Wurzeln der vor einiger Zeit gefällten Esche immer noch trauern? Nehmen wir die filigranen Veränderungen des Felsens wahr, dessen Stoffwechsel einfach nur viiiiel langsamer vonstatten geht als unser gewohnt-säugetierlicher?

 

Ja – hier handelt es sich um technisch betrachtet, schwer nachweisbare Phänomene. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen oder gar abschrecken!

Gehen Sie in die Erfahrung. Gehen Sie raus. Die Jahreszeit ist ideal dafür: Die Lebendigkeit der Orte erwacht, die Vegetation gibt (noch) den Blick frei auf später gen Sommer eher versteckte Winkel ...

 

Suchen Sie verschiedene Orte auf und öffnen Sie sich für die jeweiligen Eigenheiten dieser Örtlichkeiten. Sprechen Sie mit dem Ort, lauschen Sie seinen Geschichten. Nehmen Sie Kontakt zu seinen Bewohnern auf.

Beobachten Sie, wie Sie auf den Ort reagieren, welche Empfindungen und Themen sich den Weg in Ihr Bewusstsein bahnen.

Erfahren und begreifen Sie sich als Teil des Ortes.

 

Im nächsten Artikel wird es um so genannte „Orte der Kraft – Kraft-Orte“ gehen.

Bleiben Sie dran.

 

 

 

© Ann-Uta Beißwenger 2016

 

 

(1) Zum Thema Raum siehe auch meinen Artikel über den Raum.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

 

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