Liebe Blog-Besucher/innen,

Dear visitors of my blog,

 

herzlich willkommen in meinem Blog! Welcome to my blog!
 

Hier findet ihr Beispiele meiner Audioproduktionen und Verwortungen, garniert mit meiner Fotografie. Ich komponiere und schreibe über das, was mich bewegt, was mich anspringt. Sei es in meinen nächtlichen Träumen oder im Alltag. Die Themen und Formate variieren, je nachdem wie und was die Musen flüstern. Am liebsten flüstern sie im Morgengrauen ... so sitze ich oft lange vor dem Frühstück am PC/im Heimstudio und versuche das Kostbare und Flüchtige in Noten und Buchstaben im Hier und Jetzt festzuhalten ... zu dokumentieren ... bevor es sich dem (mehrheitlich) rationalen Tagesbewusstsein entzieht. 

 

In my blog you find some of my old and recent audio-productions, pieces of my poetry, black-humorous glossaries, essays and nerdy thoughts on topics talking to me in my dreams and during daytime, as well as some of my comments on current themes of this and other world(s) ... 

 

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Foto: © Ann-Uta Beißwenger, 11th of January 2021.

 

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Glattgebügelte Worte ...

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Ungebügelte Worte, eingesperrt in stillgelegte Gewässer. Einbetoniert, eingetunnelt. Aus der Sichtbarkeit und Hörbarkeit verdrängt, durchziehen die unterirdischen Wässrigkeiten deine Stadt.

Selbstvergessen schreitest du über die Wortkadaver, registrierst bisweilen den dezent angewesten Duft, der von links unten an deine Riechfäden herantritt, sie dumpf umschmeichelt.

 

Geistesabwesend zupfst du an deiner Nase – der Riecheindruck bleibt und weckt Assoziationen des alten Schrebergartens, in dem du die Sommer deiner Kindheit verbrachtest: Unter knorrigen, im Wind knarzenden Apfel- und Pflaumenbäumen, die schief gepflasterten Gartenwege umsäumt von bunten Blumen unterschiedlicher Herkunft.

 

Dort fing es an mit dem Bügeln der Sprache – es beginnt immer irgendwo.

Sobald du anfängst die ersten Laute zu formen, werden sie von den Erwartungen deiner Umgebungsmenschen zurechtgezupft, hier und da einige Blütenblätter hinzugefügt. Dornig-Zweideutiges wird mit Pinzette und Skalpell sorgfältig entfernt, das Bügeleisen anschließend wohltemperiert über Blüten und Narben geschoben.

 

Du gewöhnst dich an den Duft gebügelter Blumen.

Instinktiv streckst du dich dem Lauf der Sonne entgegen, willst nicht erfrieren. Stellst deine Wuchsrichtung darauf ein. Bringst unaufgeregt geformte Blätter, manchmal sogar Blüten und süß-saure Fruchtigkeiten hervor.

Wunderst dich kurz über Dornen und Nachtschattengewächse, ihr Woher und Wohin, das dich im silbrigen Mondschein bei Nacht kühl durchweht und die Narben aus deiner frühen Kindheit jucken lässt.

Das Bügeleisen fährt am nächsten Morgen darüber. Bist inzwischen alt genug, selbst zu bügeln. Hast deinen Platz eingenommen, im kollektiven Bügel-Kanon.

 

Manchmal fällt dir das Bügeleisen aus der Hand, du bist zu aufgewühlt, um es in deiner Hand zu führen. Dann formen die Schattengewächse in dir Laute und Worte, deren Bedeutung du nicht zuordnen kannst. Du weinst die Bedeutung an deinem Frontalhirn vorbei in deine Tränen. Sie sind voll von Verbotenem, Ausgestoßenem, Ungebügeltem. Tropfen auf den Boden, benetzen die Erde und finden dort Trost.

 

Ab und an sind es zu viele, ganze Tränenvölker, die Erde ist voll davon, kann nichts mehr aufnehmen. Sie läuft über. Die Tränen suchen und finden einander, bilden einen reißenden, oberirdischen Strom.

Die Tränen verlorener Bedeutungen, verlorener Sprache, verlorener Menschen.

 

Verlorene Menschen kommen mit heißen Bügeleisen, bügeln die Ufer des reißenden Stromes glatt, betonieren ihn sorgfältig gefaltet ein. Wenn das nicht ausreicht, wird alles in die Mangel genommen, eingetunnelt, weggesperrt, damit niemand hört, was die Flüsse erzählen. Schon gar nicht in der Stadt.

 

© Ann-Uta Beißwenger 2016

 

 

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