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Juli: Über die Bedrohlichkeit des Nichtstuns …

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Der Juli zählt zu den traditionellen Ferienmonaten: Die Saaten sind gesät, so manches wächst und gedeiht, strebt seiner Reife entgegen.

Jetzt ist zurücklehnen und hier und da wässern angesagt. Letzteres übernehmen die Wasserwesen aktuell selbst.

Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, die Leinen zu lockern und in der (eigenen) Tiefe in den Urlaubsmodus zu kommen.

 

Die Kontroll- und Anspannungsprogramme laufen auch bei runtergefahrenem Computer weiter – reisen mit im Handgepäck, egal wohin du fliegst. Sie passen auch in deinen Ultralight-Hiking-Backpack und begleiten dich treu bei deiner Wanderung „abseits von Allem“.

 

Job(s), Studium, Ausbildung, Schule … auch wenn du dich ständig darüber be-schwerst, wie sehr du unter all dem Druck und Zinnober leidest, dir selbst und anderen in mehr oder weniger dramatischen Farben ausmalst, wie gestresst du so bist … von den bösen/unfähigen/arroganten Kollegen/Chefs/LehrerInnen … von dir selbst … Hand auf das „ach, so gestresste Herz“ … irgendwo … in den pulsierenden Kammern deines Herzens … lauert die Verliebtheit … die Sucht … in und nach genau diesem Stress.

 

Ja, ich behaupte sogar, du kannst/willst ohne den Stress gar nicht (über)leben!

 

Die Sucht nach all den Leckerlis, die dir die Früchte des Stress' bereitstellen: das Gefühl gebraucht zu werden, das Gefühl der eigenen Größe, Wertigkeit, Macht, Macht, Macht, Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle, Aufmerksamkeit, Bedeutung, Sinn, Pseudo-Lebendigkeit …

Vielleicht benutzt du die Stressleckerlis auch als zuckrigen Kleber, der sich wohltuend betäubend über deine Ängste, deine Traurigkeit … über deine inneren Wolkenlandschaften legt.

 

Urlaub, Ent-spannung, genießen, die Gewohnheitsprogramme runterfahren und abschalten … wirken wie eine Bedrohung: Die Zuckerfabriken drohen ihre Produktion einzustellen. Du rutscht in den Entzug. Der eigentlich so sehr ersehnte Urlaub mutiert zum Alptraum.

 

Natürlich kann „man“ den Urlaub auch schon von vorneherein so planen, dass die Entzugssymptome durch prophylaktische Maßnahmen gedeckelt werden:

Du buchst all-inclusive, mit Entertainment-Drogen und vielgestaltigen Konsumangeboten … sight-seeing-Spezialdröhnung, jeden Tag ein anderes Ortjekt der Begierde, Ortskonsum.

Fremde Kulturen kennenlernen im kostümierten Remake verblasster Zeiten. Die letzten Flecken unberührter Natur mit deinen Bierdosen und sonstigen Campingabfällen beglücken.

 

Vielleicht kannst du dich aber auch auf ein Urlaubsexperiment einlassen.

Indem du mal Urlaub vom Zucker machst. Indem du „von einem anderem Ort“ auf dein Leben schaust – ohne Bewertung – ohne erhobenen Zeige- (oder Mittel-)finger.

Vielleicht schaffst du es dann auch zu genießen.

Denn das ist die eigentliche Kraft, die sich durch die Julizeit hindurch flicht: Die Dinge und Menschen auf ihre Weise, in ihrer eigenen Geschwindigkeit reifen und ihrer Wege gehen lassen. Ohne den inneren Antreiber, Kontrolletti, die Richterin … auszupacken. Die kannst du jetzt getrost nach Malle schicken. Oder in die Wüste …

 

 

© Ann-Uta Beißwenger 2017

 

 

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