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Kurzprosa: Immer weiter fahre ich ...

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Immer weiter fahre ich, bis du deine Worte, die du mir eingabst, in meinem Kopf ausradierst, Buchstabe für Buchstabe. Weiter, weiter fahre ich, meinen Fuß auf dem Gaspedal, immer weiter durch die Stadt, über Kreuzungen, aus dem Kreisverkehr ausscherend, rote Ampeln ignorierend, zornige Radfahrer und Fußgänger ausblendend, ich fahre immer weiter, so lange, bis du die Worte, die du mir eingabst, in meinem Kopf ausradierst, Buchstabe für Buchstabe.

 

Weiter immer weiter, weiter fahre ich, weit über die erlaubte Höchstgeschwindigkeit hinaus, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren, mein Schweiß tropft auf das Armaturenbrett, die Hitze und deine Worte, eine unheilvolle Liaison, immer weiter, weiter, immer schneller fahre ich, aus der Stadt heraus bin ich, pappelgesäumte Landstraße, auf der fahre ich, immer schneller, schneller, deine Worte mir folgend wie ein alphabetisierter Kometenschweif, deine Worte in den Wolken am Himmel, im raschelnden Laub der geschwätzigen Pappeln am Straßenrand, selbst der Asphalt atmet deine Worte in der flirrenden Hitze eines Tages im Juli.

 

Die Gedanken an deine Worte drücken weiter auf das Gaspedal, tun es gewichtig und erbarmungslos, ich werde so lange weiter fahren, weiter, weiter, bis du die Worte, die du mir eingabst, aus meinem Kopf ausradierst, Buchstabe für Buchstabe.

 

Die Landschaft, die Straße, sie haben sich gewandelt, deine Worte nicht. Hügelig ist es geworden, herrschaftliche Platanen haben die Pappeln abgelöst, unterbrochen von verdorrten Wiesen, auf denen sich deine Worte versammeln, um mir zynisch zuzuwinken. Ich fahre weiter, auch wenn die Klimaanlage versagt, ich fahre, fahre, den Fuß im festen Griff deiner Worte auf dem Gaspedal, fahre, fahre, während sich deine Worte in meinem Kopf vermehren, Kinder bekommen, ein Mehrgenerationen-Wohn-Modell errichten, sich ausbreiten von meinem Kopf, in den Rest meines Körpers auswandern, Grenzen hemmungslos überschreiten, jede meiner Zellen durchtränken und in Besitz nehmen, ich fahre weiter, die Worte fahren weiter, übernehmen das Steuer, das sie schon lange in ihren Buchstabenhänden halten, fahren weiter, bis ... das Benzin ausgeht.

 

Die Worte und ich, wir steigen aus, öffnen den Kofferraum des verdurstenden Peugeot, nehmen das Mountain-Bike heraus, klappen es auf, setzen uns darauf und wir fahren weiter, die Worte und ich, die Worte in meinen Beinen und Füßen, treten die Pedale, die den Sprachrhythmus deiner Worte perfekt widerspiegeln, wir drehen uns im Kreis, die Worte, die Pedale, meine Füße und Beine dazwischen, durchzogen und durchwoben von deinen Worten und ihrem Widerhall.

 

Ein Gedankenfragment, sich aufbäumender Überlebenswillen vielleicht, aus der hinteren Ecke eines von deinen Worten besetzten Gehirns, dringt durch, durch die wortinduzierte Nebelbank: Die Worte und ich, wir fahren weiter, immer weiter, weiter, weiter, bis du deine Worte, die du mir eingabst, aus meinem Kopf radierst, Buchstabe für Buchstabe.

 

Die Straße zum Feldweg geworden, vor mir ein Wald, bestehend aus deinen Worten, wir fahren hinein, die Worte und ich, abgelenkt von den Großstädten aus Worten, die in meinem Kopf auf U-Bahnhöfen und Marktplätzen um meine Aufmerksamkeit feilschen, weiter fahren wir, die Worte und ich, auf dem Mountain-Bike, das sich perfekt eingestimmt hat, auf unseren Rhythmus, ihn voran trägt, uns weiterträgt, die Worte und mich, das Wortgefäß, zu der von einem Blitz getroffenen Eiche, die quer über unserem Weg ausgebreitet da liegt, ein Mahnmal vielleicht, wir haben keine Aufnahmekapazität mehr, sehen in der Eiche nur die Worte, nicht aber die Gefahr für unsere weitere Passage, fahren weiter, trotz Eiche auf unserem Weg, ein Aufprall, ein Flug, ein Sturz, Kopf auf Basalt ...

 

– vorübergehende Stille –

 

... Ich sehe meinen Körper, merkwürdig verrenkt, der Kopf blutend, das Blut voller Worte, die ich augenblicklich wiedererkenne ...

 

Ich fliege weiter, immer weiter mit deinen Worten, weiter, weiter fliege ich, körperlos, ein Schatten voller Worte, fliege weiter, über das Land, angefüllt mit deinen Worten, suche dich heim, damit du die Worte, die du mir eingabst, aus meiner Seele radierst, Buchstabe für Buchstabe ....

 

© Ann-Uta Beißwenger 2016; entnommen aus "Wortgemälde für den Weg", Ss. 130

 

 

Über den Buchhandel und online erhältlich in Print- und Ebook-Version:

 

Wortgemälde für den Weg

Eine Liebeserklärung an das Leben, den Tod und das Dazwischen

Lyrik - Kurzprosa - Fragmente

ISBN: 978-3-7412-7390-2

TB, 264 Seiten

 

 

 

 

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