Liebe Blog-Besucher/innen,

Dear visitors of my blog,

 

herzlich willkommen in meinem Blog! Welcome to my blog!
 
Hier finden Sie eine Auswahl meiner Audios, Essays (Fragmentaries/Glossaries), Lyrik (Lyricals) und Kurzprosa.
Here you find a wild selection of my musical compositions (audios), essays (fragmentaries/glossaries), poems (lyricals) and some short prose.
 
Please support my writing and audio-/music creation with your donation/cooperation/sponsorship:
Bitte unterstützen Sie mein Schreiben und meine Audio-Produktionen durch Ihre Spende, Kooperationen und Sponsoring:
 
Vielen Dank! Thank you!

 

Narratory: Ein Wolken-Märchen ...

Blog-Wise >>

 

Die Wolken berühren den Himmel – ganz flüchtig tun sie das. Verhakeln sich nicht – nur ganz selten, wenn ein Lied auf dem Weg in den Himmel ist oder ein Kind stirbt.

Ansonsten lassen sie sich nicht beeindrucken, reisen weiter auf ihrer Reise ins Nirgendwohin. Sie finden das ganz spannend – oder auch nicht. Keiner fragt nach. Sie haben kein Soll und keine Vorgaben zu erfüllen. Die Wolken sind frei. Können Kommen und Gehen ganz ohne Visum und Aufenthaltsgenehmigung.

 

Dies ist möglicherweise ein Irrtum.

 

Dann und wann, vor allem kurz vor der Morgendämmerung – überwältigt einige Wolken die Sehnsucht nach der Erde. Sie rufen nach ihren Boten, den Luftgeistern. Die kennen das schon, kommen herbei geeilt und verstauen die wässrigen Liebesbriefe der Wolken unter ihren hektischen, filigran vibrierenden Flügeln. Auf dem Weg zur Erde durchqueren die Luftgeister die frühmorgendlichen Träume der Menschen. Sie wickeln sie um die Liebesbriefe der Wolken und legen die Briefpakete sanft auf den Blättern und Blüten der Pflanzen ab. Die Menschen nennen die Pakete Morgentau.

 

Manchmal, wenn zu viele Klagelieder gen Himmel geschickt werden, werden die Wolken ganz schwermütig davon. Sie wissen dann nicht, wohin mit der ganzen Schwermut und strecken sich in alle Richtungen aus, mit ausladenden Nebelschwaden, die sich unten auf der Erde wie fluffige Wattebäusche um die Gedanken der Menschen legen.

 

Es gibt auch die Tage, manchmal ganze Wochen, da reichen die ausgestreckten Nebelfinger nicht – zu viel Traurigkeit liegt in der Luft. Die Wolken platzen fast, müssen sich entleeren. Sie weinen und die Menschen nennen das Regen. Dann tropft die ganze Traurigkeit aufs Land, auf die Erde. Manche Menschen werden dabei depressiv oder noch schwerfälliger als sonst.

Die Pflanzen finden das gar nicht traurig: Sie freuen sich und wachsen, den Wolken in Dankbarkeit zuwinkend.

 

Immer häufiger kommt es vor, dass die Wolken vor Wut und Zorn fast überschnappen – die Luft wird dann so dick, dass man es kaum aushalten kann.

In diesem Fall tun sie sich alle zusammen, die Luft- die Wasser- und die Feuergeister und lassen es richtig krachen, mit Blitz und Donner.

Von weit oben beobachten sie gemeinsam, wie unten auf der Erde alles flüchtet und sich in vermeintliche Sicherheit bringt. Großes Wetterkino. Um den Unterhaltungsfaktor zu erhöhen, schlägt der Blitz manchmal ein und veranstaltet ein Feuerwerk in Gemeinschaftsproduktion, z.B. mit einer alten lebensüberdrüssigen Eiche.

 

Die Wolken sind ständig in Bewegung, mal mehr, mal weniger – sie würden sonst mit lautem Krach vom Himmel fallen. Ab und an sind sie auch müde und ruhen sich aus. Die Menschen nennen das Tiefdruckwetterlage. Menschen sind wirklich seltsame Wesen, sie müssen alles benennen, was ihnen unter die Finger kommt.

 

Es gibt immer mehr Menschen und immer mehr Wolken. So kommt es immer häufiger vor, dass sich eine Wolke in den Kopf eines Menschen verirrt. Meist verfängt sie sich zuerst im Schornstein seines Hauses oder in den Blättern eines Baumes, unter dem er sein Mittagsschläfchen hält. Dann passiert es: Der Mensch atmet die Wolke ein, hustet vielleicht kurz irritiert. Die Wolke lässt sich davon nicht beeindrucken und wandert weiter in seinen Kopf.

In den Köpfen der Menschen ist es sehr viel enger als unter dem Himmel. Aber die Wolke gewöhnt sich daran. Auch an das seltsam eintönige Innenleben, die jeweils bevorzugte Binnenwetterlage: mehr in Richtung Tiefdruck oder Hochdruck mit oder ohne Niederschlag, künstlich prolongierte Eiszeit oder doch mehr Wüstenklima.

 

Irgendwann vergisst die Wolke, dass sie eine Wolke war ... ist. Sie hat sich mit dem Menschen identifiziert, der Mensch hat sie eingebaut in seinen Binnenzoo.

So lange sie nicht gestorben sind, leben sie weiter, der Mensch und die Wolke.

 

Nach dem Tod ihres Menschen, findet die Wolke in der Regel zurück, in den Himmel. Manchmal ist sie zu verwirrt, lässt sich von einem neuen Menschen adoptieren. Oder sie  nimmt einen Umweg über Erde, Bäume und Flüsse. Es kommt auch vor, dass die Luftgeister auf ihren frühmorgendlichen Tau-Reisen verirrte Wolken entdecken und wieder zurückbringen, in ihre Wolken-Heimat.

 

 

© Ann-Uta Beißwenger 2016

 

 

 

 

Der Beitrag hat Ihnen gefallen ... hat Sie inspiriert? Sie wollen mehr davon?

 

Mein "Blog-Budget" freut sich über eine Spende Ihres Ermessens :),

vielen Dank!

 

 

 

 

 
Zurück zur Übersicht
Empfehlen Sie diesen Beitrag weiter!

Kommentare

s.o. von Gast am 5.5.2016 um 09:39
Sehr schön !!!!!!!!!! Auch Halberwachsenen Märchen gut vorzulesen.6+1

Kommentar hinzufügen