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Über die Inszenierung von Veränderungen ...

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Veränderung oder die neudeutsche Variante „change“ mutiert zum Unwort des Jahres: Kaum einer kann es noch hören ... und ernst nehmen. Denn: Nicht überall wo change drauf steht ist auch change drin. Verhältnismäßig wenige Veränderungen schaffen es nachhaltig von der Ideen-Ebene in die Manifestation. Wie können wir dies (ver)ändern? Hier kommen acht Impulse, die zur Reflektion über die eigene Beziehung zu Veränderungen anregen möchten ...

 

1. Weniger reden – atmen ...

Die meisten Veränderungen scheitern und versacken, weil zu viel darüber geredet wird. Mit Freunden diskutieren wir in Endlosschleifen, ob denn nun eine Scheidung sinnvoll ist für alle Beteiligten oder eher doch nicht – in ermüdend monotonen Meetings erstellen wir Charts und Prognosen, denen es ganz offensichtlich an „Hand und Fuß“ und noch mehr an Innovationsgeist fehlt.

Wir verlieren uns in leeren Worthülsen, in Wenn-und-Aber-Schnörkeln. Diese dienen zwar den beteiligten Egos, nicht aber der weiteren Ent-Wicklung. Wir vergessen, dass wir den Veränderungen, so sie denn in die Manifestation gehen sollen, Leben einhauchen müssen. Das bedeutet: Weg von (zu viel) Theorie und vom Schreibtisch, Ärmel hoch krempeln und rein in die Praxis – und vor allem in den Kontakt mit der Wirklich-Keit. Damit das funktioniert, müssen wir „die Veränderung atmen“ und nicht nur denken. Uns in der Tiefe mit ihr verbinden und sie so in unser Tun einfließen lassen.

 

2. Wirk-lich wollen – auf allen Ebenen ...

Oft benutzen wir das „zu viel Reden“ über Veränderungen, weil wir sie in der Tiefe gar nicht wirklich wollen. So flüchten wir uns an der Oberfläche in Gespräche und Diskussionen, manchmal auch in chronische Zwiesprachen mit uns selbst, um unseren Ängsten, Bedenken und Widerständen in der Tiefe aus dem Weg zu gehen. So läuft das aber nicht. Die Veränderungen werden scheitern, wenn sie aus „dem Untergrund“ mit Ängsten und Zweifeln gespeist werden.

Schauen Sie also hin, was da unten los ist: Wollen Sie wirk-lich etwas verändern oder ist es nur ein Spiel, ein illusionärer Tanz, um die allgemeine „Change-Wut“ und irgendwelche Vorgaben zu befriedigen und/oder sich selbst (oder jemanden anderem) zu beweisen, ganz im Trend der Zeit zu sein?

 

3. Mogelpackungen durchschauen ...

Viele so genannte Veränderungen sind keine wirklichen Veränderungen - "sie" gaukeln lediglich etwas vor. Wie mit einem Milchschäumer wird "das Alte" aufgeschäumt und durcheinander gewirbelt, in der Hoffnung, es fällt niemandem auf, dass die Zutaten nach wie vor die gleichen sind: Es ist immer noch die gute alte Milch!

Daran ändern auch "viel Reden" und ausgetüftelte Verkaufsstrategien nichts, mit denen die "Neuerungen" an die Mitarbeiter verkauft werden sollen. Es entsteht ein schales Gefühl des betrogen-worden-seins, welches je nach Mitarbeiter-Persönlichkeit in offenen oder verdeckten Widerstand einmünden kann.

Ein ähnliches Phänomen finden wir im Zuge des "spiritual shoppings": Aus allen Ecken und Enden der Welt werden (möglichst exotische) Ansätze, Ideen und Gurus herangezogen und benutzt, um die eigene Persönlichkeitsstruktur mitsamt der eigenen (unangenehmen) Themen zu vernebeln und "Transformation" vorzutäuschen. Mit echter, authentischer Ent-Wicklung hat dies sehr wenig zu tun.

Daher: Überprüfen Sie immer wieder selbstkritisch, ob es sich im gegebenen Fall um wirkliche Veränderungen handelt oder lediglich um ein (wenig) subtiles Update des alten Eintopfs.

 

4. Widerstände und Risiken: Hinschauen, nicht wegschauen ...

Für eine erfolgreiche Umsetzung von Veränderungen ist es unabdingbar, Widerstände – innere wie äußere – zu betrachten und ernst zu nehmen.

Veränderungen bedeuten immer auch ein Risiko: Niemand kann hundertprozentig vorhersehen, wie das Nachher aussieht. Ob frau einen neuen Partner findet. Ob der neue Job wirklich dem eigenen Lebensplan mehr entspricht. Ob das neue Marktsegment greift.

Um so wichtiger ist es, sich im Vorfeld mit Signalen des Widerstands auseinander zu setzen und sorgfältig und ohne (zu viele) subjektive Vorbehalte zu sortieren: Was ist lediglich ein Klammern an der „guten alten Zeit“, was hingegen ist ein ernst zu nehmender Einwand, den wir berücksichtigen sollten? Die konstruktive Zusammenarbeit zwischen „Herz und Hirn“ ist gefragt.

 

5. Alleine geht es nicht ...

Veränderung ist immer eine systemische Angelegenheit. Sie mag vielleicht zunächst in uns selbst als Idee beginnen. In der Folge pflanzt sie sich – auf tieferen Ebenen in uns und in unserem Umfeld – in ihrer Wirkung einem Dominostein-Effekt gemäß weiter fort. Wenn wir dies zulassen.

Es kommt zu Wechselwirkungen. Wie sich diese zeigen, ist nicht immer absehbar und auch nicht immer „erwünscht“.

Daher ist es um so wichtiger, dass wir uns, bevor wir an die konkrete Umsetzung einer Neuerung heran treten, einen umfassenden Überblick über die Verbindungen und Verwicklungen sowie über die Schnittmengen mit anderen Systemen verschaffen. Viele innovative Ideen versacken und scheitern, weil die vielschichtigen systemischen Einflussgrößen und -faktoren im Vorfeld nicht ausreichend und umfassend genug erfasst und berücksichtigt wurden.

 

6. Sich Zeit geben – vor und während der Veränderung ...

Zeit – ein schwieriges Thema! Die meisten Menschen glauben, Sie haben keine Zeit. Oder zumindest nicht genügend davon. Das ist eine weit verbreitete Täuschung. Wir alle haben genug Zeit – jedoch nutzen wir sie meist nicht besonders „ökonomisch“. In Bezug auf Veränderungsprozesse vergeuden und verplempern wir eine Unmenge an Zeit-Ressourcen für Neben-Schauplätze. Manchmal durchaus gezielt, um die anstehenden Umsetzungen hinauszuzögern und damit verbundene Konfrontationen und Unbequemlichkeiten zu vermeiden.

Nutzen wir die Zeit daher, um vorab zu klären, ob die Zeit für Veränderung tat-sächlich gekommen ist oder ob wir uns noch im „Erwägungs- und Kokettierstadium“ befinden. Arbeiten wir heraus, was wir auf tiefer Ebene verändern möchten und wozu. Betrachten wir die systemischen Komponenten, die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen sowie die bestehenden und zu erwartenden inneren und äußeren Widerstände genau und so objektiv wie möglich. Überprüfen wir die Beziehung zwischen „Nutzen und Risiko“ auf nüchtern-rationaler Ebene und – ganz wichtig – spüren wir hinein, was auf körperlich-emotionaler Ebene passiert. Streikt unser Magen-Darm-Trakt, stolpert das Herz beim Gedanken an die bevorstehenden „Aktionen“? Erfüllen uns Tatkraft und Abenteuerlust und treiben uns weiter voran? Oder haben wir die Hosen voll, beim Gedanken an „neue Wege“? Geben wir allen diesen Komponenten Zeit und Achtsamkeit, benutzen wir sie jedoch nicht, um uns vor anstehenden Veränderungsprozessen zu drücken.

 

7. Eine gerne übersehene Einflussgröße: Traumatisierte Orte ...

Nicht nur Menschen erleiden Verletzungen und Traumata unterschiedlicher Art, die ihren Abdruck im Leben des Betroffenen hinterlassen. Auch Orte speichern Erfahrungen und Geschehnisse, die auf ihrem Grund und Boden stattgefunden haben, ab. Da können wir uns zwanzig Arme und Beine ausreißen, Veränderungen wollen bis es kracht: Es funktioniert nichts. Die Berg und Tal-Fahrt geht weiter, das Unternehmen kommt nicht in die Hufe, die Beziehungen scheitern – die Ortsenergien ticken wie sie ticken und lassen sich durch unsere krampfigen Bemühungen nicht beeindrucken.

In diesen Fällen ist eine Klärung der lokalen Begebenheiten, inklusive einer Analyse der Wechselwirkungen zwischen Ort – Unternehmen – Mensch(en) unabdingbar, um eine Lösung für das weitere Vor-Gehen zu finden.

 

8. Manchmal ist ein klares „Nein“ der Beginn wirklicher Veränderung ...

Viele Menschen möchten „eigentlich“ keine Veränderung. Oder zumindest keine Veränderung, die „weh tut“, z.B. indem bisherige Sicherheiten und Bequemlichkeiten in Frage gestellt werden könnten. Sie kommen in die Beratung oder Supervision, weil sie meinen, sich verändern zu müssen. Weil der Chef das angeordnet hat. Oder die Partnerin. Weil der Arzt die rote Karte gezeigt hat. Oder die Bank.

Erzwungene Veränderungen haben selten einen langen Atem. Die Widerstände sind zu groß und verbrauchen die Kraft und Energie, die für die eigentlichen Veränderungsprozesse notwendig wären.

Daher ist es so wichtig, sich ehrlich zu hinterfragen: Kann und will ich mich selbst/mein Kommunikationsverhalten/mein Portfolio verändern? Oder will ich – wenn ich ehrlich bin – lieber an meiner Trauer, meiner Verletztheit, an meinen Machtphantasien und meiner Erkrankung festhalten?

Die Ehrlichkeit, zum eigenen Nein zu stehen, ist genau die Kraft, die eine Phase authentischer und natürlich gewachsener Transformationsbereitschaft einläuten kann.

 

Ob wir wollen oder nicht: Leben besteht aus Veränderung – in welcher Geschwindigkeit und Art und Weise diese geschieht und welchen Einfluss wir darauf haben, hängt von vielen Faktoren und deren Wechselwirkungen ab.

Bildlich gesprochen: Getanzt wird also so oder so – ob nun Standard oder Free-Style, Paar- oder Solo, modern oder klassisch – ist Geschmackssache.

Hauptsache, Sie kennen Ihre Tanzschritte, sonst wird’s holprig ...

 

 

 

© Ann-Uta Beißwenger 2016

 

 

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